| 2005: Stadtmagazin BLITZ |
Kammerchor Chemnitz - Spaß und Rotwein statt Polunder
Fragen wir einen jungen Menschen nach seinem Hobby und bekommen die leidenschaftliche Antwort, er sänge in einem Chor, wirft unser Kopf zwangsweise die Vorurteilsmaschine an, und wir erwarten pullunderbekleidete Hornbrillenträger mit dürftiger Lebensfreude. Jedoch existiert in Chemnitz ein Chor, dessen Altersdurchschnitt sich erstens weit unterhalb der Kategorie Altersheim befindet, und der zweitens mehr als professionell und mit viel Enthusiasmus eine ziemlich frische Brise durch die hiesige Gesangsszene wehen ließ und lässt. Die 35 aktiven Soprane, Altistinnen, Tenöre und Bässe des Kammerchor Chemnitz e.V. haben in ihrer 15jährigen Geschichte eine Qualität erreicht, die selbst Profis beeindruckt.
Dabei ließ sich diese Erfolgsgeschichte nicht im mindesten erwarten, denn zunächst trafen sich im Jahre 1990 ehemalige Abiturienten der Neubauer-EOS, die ihrem Schulhobby nachtrauerten. Die damaligen Zusammenkünfte dienten noch lediglich dem Selbstzweck, aber schon zwei Jahre später nahm der Chor, der damals noch den zungenbrecherischen Namen "Traditionschor Chemnitzer Abiturienten" führte, eine regelmäßige Konzertaktivität auf. Zu diesem Zwecke wurde auch eine in jedem Jahr heiß ersehnte Tradition ins Leben gerufen: Das Chorlager. Obwohl mittlerweile fast alle Studenten, Ergotherapeuten, Mediziner, Musikjournalisten und vieles mehr geworden sind, zieht es sie dennoch zweimal jährlich in eine der Jugendherbergen des Chemnitzer Umlands. Denn dort wird neben acht Stunden täglichen Stimmtrainings vor allem der menschliche Zusammenhalt vertieft. Dass dies selten ohne jede Menge Rotwein und noch mehr Schlafmangel abgeht, ist kein Geheimnis. "Besonders beliebt sind unsere abendlichen Workshops zu allen möglichen verrückten Themen", erinnert sich Sopranistin Anke Linder an ihre unzähligen Chorlager. Dann versuchen die einzelnen Mitglieder eher weniger ernsthaft ihre persönlichen Kompetenzen in Salsa, Rock'n'Roll oder ähnlichem auf ihre Mitstreiter zu übertragen - mit mäßigem Erfolg.
Denn ihre Höchstleistungen vollbringen die 20- bis 36jährigen immer noch in der Disziplin, die sie im Schlaf beherrschen, das vier- bis achtstimmige Aufführen von Chorwerken jedweden Geschmacks. Wer dabei jedoch nur an die Altmeister der Klassik denkt, liegt völlig falsch. Zum Repertoire gehören die Werke des 20. Jahrhunderts ebenso wie aufbereitete Popsongs, Gospels und extrem moderne, humoristische Stücke. In der bevorstehenden Weihnachtszeit sind die jungen Sänger traditionell mit Auftritten ausgelastet, bei denen eher die altbekannten Weihnachtslieder zum Besten gegeben werden. Um so mehr freut man sich dann auf den Höhepunkt des Jahres, das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Da sind dann selbst Mitglieder mit jahrelanger Auftrittserfahrung schon mal ein wenig nervös, denn von einem ganzen Orchester begleitet zu werden, ist auch für sie eine nicht ganz alltägliche Herausforderung. Doch neben dem Auftrittsalltag absolvieren die Choristinnen und Choristen ebenso ein großes Pensum andersartiger Aktivitäten. So messen sie regelmäßig ihr Können beim Sächsischen Chorwettbewerb, veranstalten Benefizkonzerte und geben Erfahrung und Freude am Gesang an die jüngere Generation weiter. "Nächstes Jahr beginnen wir ein Projekt mit den Kids aus der Makarenko-Grundschule, an dessen Ende mehrere Konzerte und eine CD-Aufnahme stehen soll", gewährt Anke Lindner einen Blick in die Zukunft.
Die angesprochene Leidenschaft lässt sich damit erklären, dass dieser Chor keine Zweckgemeinschaft darstellt, sondern ein großer Teil des Lebens eines jeden Mitgliedes ist. Denn längst haben sich die gemeinsamen Aktivitäten auch auf das Privatleben ausgeweitet. Nicht nur dass jeden Freitag ein Tisch in der Lieblingskneipe auf sie wartet und jedes Jahr der Abenteuerurlaub gemeinsam verbracht wird, selbst eine Hochzeit und chorinternen Nachwuchs haben die 35 Sänger bereits zustande gebracht. Wenn also schon in Eigenregie für die stimmliche Nachfolge gesorgt wird, muss man sich um die Zukunft des Kammerchores wohl keinerlei Sorgen machen. Wer aber von außen hinzukommen und dabei sein möchte, wird nicht zurückgewiesen, sondern kann sich jederzeit melden oder einfach bei einer Probe freitagabends im Andre-Gymnasium auftauchen.
Katharina Cramer (BLITZ)
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| 2004: Umbenennung am 18.09. im Kaßberggewölbe Chemnitz |
Chor feiert im Kaßberggewölbe neuen Namen
Traditionschor Chemnitzer Abiturienten heißt jetzt Chemnitzer Kammerchor - Sängerinnen und Sänger fahren sogar zusammen in den Urlaub
Man stelle sich vor, aus Mäxchen ist ein großer, starker Max geworden und jedermann ruft ihn trotzdem noch Mäxchen. Da würde Max sich aber ärgern und etwas dagegen unternehmen. Ähnlich fühlten sich in den vergangenen Jahren wohl auch die Mitglieder des Traditionschores Chemnitzer Abiturienten, der jetzt "Kammerchor Chemnitz" heißt.
"Das Wort Tradition, das man immer mit älteren Menschen verbindet, stand im Kontrast zu dem Begriff Abiturienten, bei dem man immer an Schüler denkt. Das passte nicht und vor allem stand der Name des Chores in keiner direkten Verbindung zu dem, was wir können", beschreibt Steffen Mühlmann. Der ehemalige Chorsänger erledigt die Öffentlichkeitsarbeit und betreut die Fördermitglieder, seit er und seine Frau Annett, die noch im Chor singt, einen kleinen Sohn haben. "Einer muss sich ja um ihn kümmern, wenn der andere singt", erklärt der Bankkaufmann lachend.
Kürzlich lud der Chor zu einem besonderen Konzert ein, dessen Anlass die Umbenennung war. Der "Kammerchor Chemnitz", der als kleingedruckte Zusatzbezeichnung noch den alten Namen tragen wird, wollte in den Kaßberggewölben beweisen, dass die Sängerinnen und Sänger der Bezeichnung Kammerchor gerecht werden. Das bekräftigte auch Chorleiter Wolfgang Richter: "Dieser Name entspricht der Größe und der Qualität des Chores. Und endlich kann man außerhalb der Stadt etwas damit anfangen." "Freie Presse" befragte vier Chormitglieder.
Peter Schuricht, 32, Student und Vorstandsmitglied im Verein: "Ich bin von Anfang dabei, habe die Gründung Anfang der 90er Jahre miterlebt. Ich habe im Chor der Neubauer-EOS mitgesungen und wir kamen später auf die Idee, einen Chor der Ehemaligen zu gründen. Mittlerweile sind wir eine gute Gemeinschaft geworden. Wir unternehmen viel, auch außerhalb der Proben und Auftritte, fahren sogar zusammen in den Urlaub."
Katharina Ehmann, 39 Jahre, gehört zu den "höheren Semestern" und kam als Quereinsteigerin zum Chor. "Meine Mutter, Ruth Winkler, war die erste Chorleiterin, daher kenne ich die Leute sehr gut. Und als ich nach einer langen Pause wieder singen wollte, entschloss ich mich, hier mitzumachen. Im Moment sind wir eine feste Gruppe, bräuchten nur ein paar Tenöre." Der Ehemann der Mutter von zwei Kindern toleriert das Hobby. "Er hat ja auch seins, Fußball, und so müssen wir uns gegenseitig akzeptieren", verrät sie lächelnd.
Kay Cramer, 27 Jahre, Student: "Die Chorleiterin meines Gymnasiums verwies mich damals an den Tradi-Chor und seitdem gibt es freitags für mich diesen festen Termin. Wenn mal keine Probe ist, fehlt mir was." Kays Freundin singt ebenfalls mit. Beide fanden sich bei einer Chorparty.
Ulrike Lenhart, 21, Studentin. "Mein Freund singt in diesem Chor mit und so bin ich auch dazu gekommen. Früher habe ich Theater gespielt, das ist dann weggefallen und im Chor kann ich nun wieder weiter an mir arbeiten, das brauche ich. Und die Auftritte, das sind einfach schöne Erfolgserlebnisse.
Ramona Bothe-Christl (Freie Presse)
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| 2004: Konzert "Musikalisches Zeitenpendel" am 04.04. im Industriemuseum Chemnitz |
"Tanzen und Springen" so gut wie "Lollipop"
Tradionschor Chemnitzer Abiturienten mit hörenswertem Konzert im Industriemuseum - Überzeugende Einfachheit bei Golle-Stück
Schüler, Lehrer, Ehemalige - das ist die unmittelbare Klientel des Traditionschores Chemnitzer Abiturienten. Zum "Musikalischen Zeitenpendel" im Industriemuseum Chemnitz zeigte sich, wie groß die Anhängerschar des Chores ist, ob aus dem Andrégymnasium, weil dort Chorleiter Wolfgang Richter einen fundamentalen Musikunterricht liefert, oder aus den Musikbund Chemnitz zusammengeschlossenen Chören, deren Präsident er ist. Noch-Abiturienten und Schulchorsänger wollten wissen, wo sich nach Abschluss der Schule vielleicht eine musikalische Heimat zum Weitermachen findet. Familienangehörige drückten einfach die Daumen, Kleinkinder jauchzten hin und wieder, kurz: Es war mit rund 250 Besuchern voll bis auf den letzten Platz, die Nachmittagszeit war gut gewählt, das Programm interessant und kurzweilig, die Atmosphäre fast familiär. Gründerin und Ehrenmitglied Ruth Winkler hatte allen Grund, auf ihre "Großen" sehr stolz zu sein.
Getragen wurde das Konzert von dem Gedanken, unterschiedlichste Zeiten und Stile, Inhalte und Ausdrucksformen unter die Klammer des Pendels zu bringen - nicht wie üblich auf die chronologische Ablaufform zu vertrauen als gesichertes Konzept von unten nach oben, von Gestern ins Heute.
Der muntere Wechsel sorgt natürlich zuerst für Vielfalt, aber auch für die Erkenntnis, dass Stile an sich nicht zuerst für Trennung sorgen. Die Inhalte waren zu allen Zeiten gleich, was sich bei Leo Haßler im 16. Jahrhundert zum artigen "Tanzen und Springen" formte, gerät im Übermut der heutigen Zeit zum frechen "Lollipop". Wo ist der Unterschied?
Der erste Teil, geistliche Lieder von Claudio Monteverdi (Wende 16./17. Jahrhundert), Johann Hermann Schein (frühes 17. Jahrhundert), wurde mit dem 19. und 20. Jahrhundert "beantwortet", also mit Hugo Distler, Anton Bruckner, Igor Strawinsky ... Nur ein Höhepunkt: Jürgen Golles "Preis der Liebe", das Grundfragen unserer heutigen Zeit in großer überzeugender Einfachheit stellt.
Vor der Pause Spirituals, im zweiten Teil dann vorzugsweise Scherz- und Liebeslieder: Das Zeitenpendel ist allen gemeinsam. Allerdings störten die Video-Pendelbilder unmittelbar neben dem Chor. Man stelle sich ein Metronom vor, das quer zum gehörten Rhythmus unentwegt einen anderen Takt vorgibt. Das schmälert aber nicht den guten Gesamteindruck des Nachmittags. Allem gemeinsam ist die Klangschönheit und Homogenität des Chores, die Ausgewogenheit der Stimmen. Der Chor muss nicht mit Lautstärke triumphieren, um Jubelklang zu erzeugen, die Stimmen tragen gut. Die Suche nach der Perfektion im Detail, nach bester Artikulation galt jedem noch so winzigen Liedchen. Wolfgang Richter ist in der beneidenswerten Lage, mit einem jungen, ehrgeizigen Chor arbeiten zu können. Das Problem, das fast alle Chöre teilen, die nach der Jugend Ausschau halten - er kennt es mit diesem Chor einfach nicht.
Marianne Schultz (Freie Presse)
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| 2003: Gemeinsame Konzerte mit der Chorvereinigung Sachsenring Zwickau (15./16.11.) |
Spritziger "Sekt" und reifer "Wein" für die Ohren
Sachsenringchor-Jahreskonzert in überfüllter Aula des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums
Es gehört zu den guten Traditionen der Sachsenring-Chorvereinigung, jährlich mit Konzerten Freunde des gehobenen Chorgesangs zu erfreuen. In diesem Jahr nun hatte sich die Chorvereinigung den Traditionschor Chemnitzer Abiturienten zu dieser Veranstaltung geladen, so dass nun zwei Chöre auf der Bühne standen, die von sich mit Fug und Recht behaupten können, zu den Besten der Region zu gehören.
Volkslieder, Lieder deutscher und internationaler Klassiker wie Antonin Dvorák, Robert Schumann, Friedrich Silcher und Bela Bartók, doch auch Spirituals erklangen im ersten Teil, den der Sachsenringchor unter seinem Leiter Reinhold Stiebert gestaltete. Aus dem Angebot seien hier die Lieder Schumanns aus op. 74 für Chor und Klavier und die vier slowakischen Volkslieder von Bartók erwähnt. Solisten waren Katja Schykowski, Sopran, und Gerd Häuer am Klavier.
Den zweiten Teil füllte der Traditonschor unter Wolfgang Richter, der das Konzert als liebe Erinnerung an frühere Jahre als Chorsänger unter Reinhold Stiebert empfand. Der Chor beeindruckte mit seinem umfangreichen Repertoire an alten sakralen Chorsätzen ebenso wie mit internationaler Folklore, Spirituals, und Titeln moderner Unterhaltungsmusik. Hier sollen nun Jürgen Golles "Preis der Liebe" und das jiddische "Iome, Iome" hervorgehoben werden, ein Lied, das inhaltlich dem norddeutschen "Ach Modr, ich will een Ding haben" entspricht.
Zwei wunderbare Chöre, mit sehr guten Stimmen, technisch und in der künstlerischen Gestaltung der Lieder ausgereift, mit ausgezeichnetem Vortrag und einem umfangreichen wie interessanten Repertoire aus vier Jahrhunderten, das sie perfekt beherrschen. Doch untereinander kaum vergleichbar. Wollte man es tun, so müsste man den einen mit einem edlen, wunderbar gereiften und teuren Wein, den anderen dagegen mit spritzig jungem Sekt vergleichen.
Fürs Publikum jedenfalls war der Nachmittag ein musikalisches Erlebnis, von diesem mit langem Beifall quittiert. Nicht optimal dagegen waren die räumlichen Verhältnisse in der mit rund 150 Zuhörern überfüllten Aula des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, und die Parksituation in den umliegenden Nebenstraßen. Aber da ließe sich für die Zukunft sicher eine bessere Lösung finden.
Wolfgang Meyer (Freie Presse Zwickau)
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| 2002: Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, Kantaten 1, 3, 6 in der Markuskirche Chemnitz (26.12.) |
Weihnachtsoratorium in neuer Reihenfolge
Gelungenes Konzert des Traditionschores Chemnitzer Abiturienten
Thomaskantor Johann Sebastian Bach hatte 1734 für die sechs Kantaten, die gemeinhin als Weihnachtsoratorium bekannt wurden, eine genaue zeitliche Bestimmung getroffen. Danach sollten die Nummern 1 bis 3 einzeln an den Weihnachtsfeiertagen erklingen und die Teile 4 bis 6 zu Neujahr, am darauf folgenden Sonntag sowie zum Epiphaniasfest. Obwohl die gedankliche und musikalische Konzeption alles zu einem geschlossenen Ganzen bindet - die Größe des Werkes beruht schließlich darauf - steht jede der sechs Kantaten auch für sich.
Die Aufführungspraxis hält sich im allgemeinen an Bachs zeitliche Disposition. Dass im Konzert in der Markuskirche am Abend des zweiten Feiertages einige Kantaten in ungewohnter Reihenfolge erklangen, könnte einer der Gründe für das große Interesse gewesen sein. Vielleicht lag es auch daran, dass der Traditionschor Chemnitzer Abiturienten eingeladen hatte, ein junges Ensemble, das sich bislang zwar mit a-cappella-Literatur einen guten Ruf erwarb, sich aber nun erstmals auch einer chorsinfonischen Aufgabe stellte.
Wolfgang Richter - Leiter des Chores seit 1998 und Gymnasiallehrer in Chemnitz - ließ der Kantate 1 des Oratoriums (Bericht von der Geburt Jesu) die Teile 3 (die Hirten an der Krippe) und 6 (die Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande) folgen. Eine pragmatische Entscheidung eventuell, denn Bach hatte des besonderen Glanzes wegen nur hier drei hohe Trompeten eingesetzt. Zudem ergab diese Folge aber auch einen Spannungsbogen, der vom „Jauchzet, frohlocket“ des Eingangschores zur Botschaft des abschließenden Chorals führte: „Tod, Teufel, Sünd und Hölle sind ganz und gar geschwächt, bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht“.
Musikalische Akzente setzte das Johann-Friedrich-Fasch-Ensemble, das auf historischen Instrumenten spielte, beziehungsweise auf Nachbauten. Von den Solisten überragten Annett Illig (Sopran) und Regine Köbler (Alt) eindeutig den Tenor Reinaldo Dopp (Evangelist) und Steffen-Christian Piltz (Bass) - sowohl in Bezug auf die Stimme als auch auf den Ausdruck. Und der Chor? Sein klangliches Volumen ist noch nicht zu groß, umso beachtlicher allerdings sind Stimmkultur, chorische Aussprache und Dynamik.
Sorgsam achtete Wolfgang Richter darauf, dass in den großen polyphonen Sätzen stets die Transparenz der Stimmführung gewahrt wurde, dass die Choräle durch schlichte Ausführung besonders eindringlich wirkten und die Jubelchöre nie zum Forcieren verleiteten. Chor und Dirigent hatten sich mit den drei Kantaten aus Bachs Weihnachtsoratorium auf ein neues musikalisches Terrain begeben, diese Probe aber bestens bestanden. Für das Musikleben der Stadt war es ein beachtenswerter Gewinn. Nicht verwunderlich also, dass der Beifall nach dieser Aufführung nicht enden wollte.
Werner Kaden (Freie Presse)
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| 2002: Chor- und Orgelkonzerte (19.05. in Chemnitz, 30.06. in Löbau) |
Chor überzeugte in Löbau
Traditionschor Chemnitzer Abiturienten macht Sommerpause
Mit einem Chor- und Orgelkonzert im Rahmen der Jugendmusikwoche hat sich der Traditionschor Chemnitzer Abiturienten in die Sommerpause verabschiedet.An sich nicht außergewöhnlich, dennoch besonders, denn der Auftrittsort war das 150 Kilometer entfernte Löbau. Mit Herzklopfen fuhren die Chormitglieder zum ersten Großkonzert außerhalb. Jedoch wurden die 30 Sänger angenehm überrascht. In der Kirche hatten sich über 120 Gäste eingefunden, um dem Konzert zu lauschen. Dargeboten wurde ein musikalischer Streifzug durch 500 Jahre Kirchenmusik: Nivers, Mozart, Ammon, Golle, Strawinsky, Bach und Micheelsen. Zum Abschluss wurden Gospel und Spirituals zu Gehör gebracht. Das Publikum bedankte sich mit anhaltendem Beifall.
Das große Projekt, das Weihnachtsoratorium in der Chemnitzer Markuskirche aufzuführen, ist nun der nächste Höhepunkt, auf den die jungen Künstler hinarbeiten. Der 1990 gegründete Chor sucht nach wie vor Mitglieder. Wer Interesse hat, erreicht Koordinator Steffen Mühlmann unter der Rufnummer 0371/8201991 oder kann sich unter www.tradichor.de informieren.
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| 2001: Weihnachtskonzert in der Markuskirche Chemnitz (16.12.) |
Liedgut der Huronen-Indianer im Gepäck
Traditionschor der Abiturienten lässt 250 Besucher lauschen - 26. Dezember erneuter Auftritt
Der Schnee auf den Dächern bot draußen eine passende Kulisse, stimmungsvolle Atmosphäre herrschte auch im Innern der hell erleuchteten St.-Markus-Kirche zum alljährlichen Weihnachtskonzert des Traditionschores Chemnitzer Abiturienten. Gespannt lauschten 250 Besucher den 30 Sängerinnen und Sängern. "Ich steh an deiner Krippen hier" war das Motto - der Chor bot unter Leitung von Wolfgang Richter einen bunten Streifzug durch weihnachtliches Liedgut dar. Nach kirchlichen Werken - beachtenswert war Richters solistische Bachinterpretation mit Spinettbegleitung - folgten Weihnachtslieder französischer, ungarischer und böhmischer Komponisten und sogar eines der Huronen-Indianer. Natürlich durften erzgebirgische Stücke nicht fehlen. Mit einem Auszug auch Bachs Weihnachstoratorium endete das anderthalbstündige Programm und zugleich wurde damit ein Vorgeschmack auf das große Vorhaben des Chores, am 26. Dezember am selben Ort größere Teile des Oratoriums aufzuführen, gegeben.
Im Jahr 1990 erlebte der Chor an der damaligen Erweiterten Oberschule "Dr.-Theodor-Neubauer" seine Geburtsstunde. Musiklehrerin Ruth Winkler konnte die Idee, auch mit ehemaligen Schülern, Chortätigkeit forzusetzen [sic!], verwirklichen. Im gleichen Jahr erfolgte auch der Beitritt zum Musikbund Chemnitz. 1998 übergab Ruth Winkler die Leitung des Chores an Wolfgang Richter und 1999 erfolgte dei Gründung eines eingetragenen Vereins. Höhepunkt in diesem Jahr war zweifellos die Teilnahme am 3. Sächsischen Chorwettbewerb in Torgau, die mit einem zweiten Platz belohnt wurde. Heute zählt der Verein 55 Mitglieder. Einer von ihnen ist Chormitglied Ulf Naumann. Er berichtet, was für ihn den Reiz an seinem Hobby ausmacht: "Es macht einfach Spaß, seine Stimme einzusetzen und das mehrstimmige Klangergebnis zu verspühren. Aber es bleibt auch nicht beim gemeinsamen Singen. Wir verbingen auch sonst häufig die Freizeit zusammen, ob beim Skatabend oder der Paddeltour."
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| 2000: Weihnachtskonzert in der Kirche zu Euba (09.12.) |
Klasse Konzert in der Kirche
Euba: Traditionschor Chemnitzer Abiturienten feiert seinen zehnten Geburtstag
Draußen konnte kein Auto mehr nahe der Kirche zu Euba parken, drin war kein Sitzplatz mehr zu ergattern. Der Traditionschor Chemnitzer Abiturienten hatte sein zweites Festkonzert im zehnetn Jahr seines Bestehens an den Stadtrand verlegt. Leider bleiben die echten Eubaer unerkannt. Ob viele das hervorragende Angebot genutzt haben?
Ein Konzerterlebnis kann immer vorausgesagt werden, wenn der Chor unter seinem Dirigenten Wolfgang Richter auftritt. Es begann ungewöhnlich, aber dem Auftrittsort angemessen. Der Eingangschor aus dem Weihnachtsoratorium stimmte ein, gefolgt von einem Wechselgesang zwischen Chor, Orgelchoral und Gemeinde. Nach diesem gelungenen Auftakt sang der Chor nahezu pausenlos - in der Kirche scheut sich das Publikum meist zwischendurch zu klatschen - Weihnachtslieder alter Meister, alte Weihnachtslieder in neuen Sätzen, Weihnachtslieder aus der DDR und dem Erzgebirge. Immer wider ist die Dynamik zu loben, die Wolfgang Richter mit Körpereinsatz herausfordert. Besonders in "Ein Kindlein ist uns heut geborn". Dagegen wurde Händels "Tochter Zion" mit großer Leichtigkeit interpretiert. Sehr schön das Lied "Ich brach drei dürre Reiselein" von Hugo Distler.
Auch diesmal konnte man weniger Bekanntes hören: "Sterne übder stillen Straßen" von Gerhard Wohlgemuth oder das "Weihnahctslied" von Günter Fredrich. Sehr schön, wie im "Rachermannel" ganz locker, dem Notenbild enstprechend gebunden wurde. Dagegen hätte man sich "Ihr Leitle freit eich alle" ein weniger inniger vorstellen können. Im letzten Teil des Konzertes mit dem "anderen" Weihnachtslied holten die jungen Sängerinnen und Sänger Heiterkeit in die Kirche. "Kurrendesänger", "Knecht Ruprecht" und der "Nussknacker" von Horst Becker sind kleine Chorkostbarkeiten, aber auch "Solitary Snowflake" von Jerry Estes. Sebastian Schilling, am Klavier sehr sicher, überspielte dabei manchmal den Sopran. Seinem Orgelspiel ("Präludium für Orgel" von Hans Friedrich Micheelsen) fehlte hin und wieder etwas die Exaktheit.
Ein Konzerterlebnis war es allemal. Ein wenig vermisste man in diesem Konzert - verglichen zumindest mit dem des Vorjahres in der Jakobikirche - den Glanz. Möglicherweise fehlten ein paar Sopranstimmen. Der Beifall am Schluss war überaus herzlich. Trotz der Kälte ließ sich der Chor für ein temperamentvolles, rhythmisch exaktes Spiritual als Zugabe erwärmen. Eine der Stärken diese Chores, der mit Wolfgang Richter auf gutem Wege ins elfte Jahr ist.
Johanna Hauswald (Freie Presse)
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| 2000: Benefizkonzert zugunsten der Chemnitzer Jakobikirche (11.06.) |
Kraftvolles Klangbild im Kirchenschiff
Benefizkonzert von Chemnitzer Liederkreis und Traditionschor der Abiturienten in der Jakobikirche
Ein Benefizkonzert für die Erhaltung der ältesten Stadtkirche St. Jakobi und die Beseitigung der Kriegsschädenhaben zwei Chöre gegeben: der Tarditionschor Chemnitzer Abiturienten unter der Leitung von Wolfgang Richter und der Chemnitzer Liederkreis, geleitet von Ruth Winkler. Fast 1000 Mark Erlös wurden am Ende gezählt.
Der Liederkreis eröffnete das Konzert in der sehr gut besuchten Kirche. Allein der Blick ins Programm ließ Vorfreude aufkommen. Das Volkslied dominierte, und selbst die gut bekannten Stücke hörten sich, so sauber gesungen, sehr schön an. Genau genommen stand die Liebe im Mittelpunkt, ob in "Kume, kum, Geselle min" oder "Wach auf, meins Herzens Schöne", das Ruth Winkler sehr heiter und locker singen ließ. Auh weniger bekannte Weisen gefielen, wie "Mich zieht es nach dem Dörfchen hin" von Robert Schumann oder das lettische Volkslied "Wehe, lieber Wind". 31 Frauen und acht Männer sangen, eine stattliche Zahl, wiewohl mehr Männer auch in diesem Chor gebraucht würden. Unter der Leitung von Ruth Winkler hat sich der Chemnitzer Liederkreis in einem erstaunlichen Maße entwickelt. Auch schwierige Sätze wurden mit Bravour gemeistert.
Der Traditionschor Chemnitzer Abiturienten wird unter Wolfgang Richter immer mehr zum Chor erster Klasse. Das ist auch den jugendliche Stimmen zuzurechnen und der ausgewogenen Besetzung. 15 Frauen- und zwölf Männerstimmen bezauberten die Zuhörer. "Kyrie" von Blasius Ammon (um 1560-1590) machte gleich mit dem Auftakt deutlich, was der Chor leisten kann. Danach das "atemlose" "Alta Trinita" eines unbekannten Komponisten, später die wunderschönen und schwierigen Sätze von Jürgen Golle, "Preis der Liebe" zum Beispiel. Da der Chor zum Schluss zwei temperamentvolle Spirituals bot, wurde auch Vielseitigkeit hörbar. Vielleicht waren vier Mal "Kyrie" vom 16. Jahrhundert bis zu Lajos Bárdos aus dem 20. Jahrhundert ein wenig zu viel des Guten. "In stiller Nacht" von Johannes Brahms - vielleicht der absolute Höhepunkt - wurde gesungen, dass man versucht war die Luft anzuhalten. Als letztes erklang - dirigiert von Ruth Winkler - "Dona nobis pacem" nach einem Thema aus der h-Moll-Messe von J.S. Bach in der Kanonfassung von Peter Peteresen. Alle Sängerinnen und Sänger schufen in der herrlichen Kirchenakustik ein kraftvolles Klangbild.
Johanna Hauswald (Freie Presse)
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| 2000: Artikel über Chorleiter Wolfgang Richter (11.05.) |
"Ein Chorleiter, der selbst nicht singt, kann andere nicht fürs Singen begeistern"
Wolfgang Richter leitet fünf Chöre der Stadt - Konzert mit dem Traditionschor in Vorbereitung
Er ist ein Sänger, und er ist ein Tenor! Vor allem aber ist er ein begeisterter Chorleiter: Wolfgang Richter. "Gesungen habe ich schon zur Abi-Zeit in Zwickau, in einem sehr guten Auswahlchor, den Reinhold Stiebert leitete." Heute singe er mit in "Camerata vocale" in Zwickau und im Männerquintett. "Ein Chorleiter, der selbst nicht singt, kann andere nicht fürs Singen begeistern", weiß er. "Man kann seine Stimmenicht einschätzen, weiß nicht, was für einen Chor machbar ist. Erst der Erfolg fördert die Lust am Singen", fährt er fort, "wenn einer merkt, es klingt, was ich mit meinem Körper produziere. Mit anderen gemeinsam zu singen, ist um so schöner."
Da hat einer Lust und Liebe zum Beruf gemacht. 1995 fand er Arbeit im Schuldienst von Chemnitz, dabei hatte er den Abschluss des Diplomlehrers und des Diplommusikers in der Tasche! Noch im gleichen Jahr übernahm er den Ausbildungschor der Philosophischen Fakultät der Hochschule, 1996 den Ruth-Winkler-Chor am Gaußgymnasium, den er ans Goethegymnasium begleitete und dort den Schulchor übernahm. Seit Herbst 1997 unterrichtet er Deutsch und Musik am Andrégymnasium. Keine Frage: Es gibt dort einen Schulchor, aber den leitet Lehrerkollegin Bärbel Eichelkraut. 1998 gründete Wolfgang Richter mit Mädchen und Jungen der 5. und 6. Klassen den Kinderchor der Schule, übernahm im gleichen Jahr den Traditionschor Chemnitzer Abiturienten. Halt! Da fehlt immer noch ein Chor, denn seit 1997 gibt es die Männergesangsgruppe der Elfer und Zwölfer am Andrégymnasium.
"Fast jeder kann singen", sagt er resolut. "Meist sind es Hemmungen. Man muss anspornen, aber manchmal auch unangenehm werden können." Er sei ein strenger Lehrer, meint er, denn ohne Anstrengung könne man nichts erreichen. "Letzten Endes ist jeder Chorleiter ein Diktator, aber nicht verbiestert", mildert er die Einschätzung. Für das Repertoire müsse man die Balance finden, die Beach Boys und Brahms, Spirituals und Mendelssohn Bartholdy. "Wann wollen wir die Kinder an Klassik heranführen, wenn nicht an der Schule? Was sie nicht kennen, können sie nicht annehmen. Die Schüler sollen spüren, dass man sich selbst für diese Musik begeistert."
Wer Wolfgang Richter bei der Probe beobachtet, merkt von Strenge nichts. Es geht locker zu, aber wohlgeordnet. Er hört die winzigste Ungenauigkeit, fordert Dynamik und chorisches Atmen. Vielleicht misst er die eigene Arbeit auch an hervorragenden Tonkonserven. An die 1000 Stück Klassik-CD hat er gesammelt, dazu noch Jazz und Pop. Er mag die Rock-Gruppe "Genesis", ist ein DDR-Rock-Spezialist. Sein Lieblingskomponist? "Gustav Mahler. Seine 8. Sinfonie. Wenn man sich drauf einlässt, geht die Musik sehr tief." Er schätzt Ehrlichkeit und Toleranz, geht schnell auf die Palme, ist aber auch schnell wieder unten. "Was ich nicht ausstehen kann - einen großen Rand zu haben und keine Ahnung."
Von Dienstag bis Freitag ist jeden Tag Chorprobe. In der Freizeit versucht er sich als Gärtner. Doch die Freizeit ist knapp bemessen. Der Traditionschor Chemnitzer Abiturienten hatte sich mit dem Benefizkonzert für die Jakobikirche unter seiner Leitung vorgestellt, begeisterte vor wenigen Tagen bei "Let's sing together" mit anderen Jugendchören im Kleinen Saal der Stadthalle. Am 2. Juli folgt das Konzert zum zehnjährigen Bestehen. Diesen Termin sollte man sich unbedingt vormerken.
Johanna Hauswald (Freie Presse)
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| 1999: Weihnachtliches Benefizkonzert für die Jakobikirche Chemnitz (18.12.) - Konzertkritik |
Weihnachtslieder für St. Jakobi
Traditionschor Chemnitzer Abiturienten gab Benefizkonzert für älteste Stadtkirche
Ein bisschen im Verborgenen ist im ehemaligem Gaußgymnasium ein Chor herangewachsen, der im nächsten Jahr immerhin zehn Jahre alt wird. Am Sonnabend vor dem 4. Advent gab der Traditionschor Chemnitzer Abiturienten sein erstes, eigenes Konzert ohne den Schulchor. Dass es ein Benefizkonzert zu Gunsten der ältesten Stadtkirche, der Jakobikirche, war, spricht für die jungen Leute.
Marien- und Hirtenlieder
Im vollbesetzten Gotteshaus sang der Chor Marien- und Hirtenlieder, weltliche Weihnachtslieder und Lieder zum Weihnachtsabend. Leitmotiv des Konzertes "Ein Kindlein ist uns heut gebor'n". Bestechend der Chorklang, befördert durch die Akustik in der Kirche, die Dynamik, mit der gesungen wurde, kraftvoll prägnant die Interpretation des einen Liedes, zart bis zum hingehauchten Schlusston die des anderen.
Wolfgang Richter, der den Chor seit September 1998 leitet, ist ein ausgezeichneter Dirigent. Mit sparsamen, aber intenseiven Bewegungen führt er die Stimmen, vermittelt die notwendige Spannung. Beeindruckend auch die musikalische Breite im Programm. Begeisterte schon das eingangs gesungene "Alta trinita beata" aus dem 15. Jahrhundert und das kaum bekannte "Ego sum pastor bonus" von Waclaw Szamotulski, so waren daneben auch bekannte Lieder in gleicher Qualität zu hören, "Guten Abend, schön Abend" zum Beispiel, "Es ist für uns eine Zeit angekommen" oder das erzgebirgische "Raachermannel". Der Chor sang frisch und trotzdem mit großer Innigkeit.
Die weltlichen Weihnachtslieder, von Zeitgenossen geschrieben, brachten manche Entdeckung. Besonders schön "Ich brach drei dürre Reiselein" von Hugo Distler, einem Berliner Chorkomponisten, der 1942 den Freitod wählte, statt in den Krieg zu ziehen. Eine wunderbare moderne Melodie in einem extrem schwierigen Satz. "Kurrendesänger" von Horst Becker mit dem lustigen Schlusston des Bassisten verführte die Besucher zum ersten spontanen Beifall. Im Gotteshaus mochte offenbar keiner klatschen.
Leistungsfähiger Chor
"Wir haben wieder einen jungen und leistungsfähigen Chor in der Stadt", freute sich Roland Rößler, Vorsitzender des Musikbundes Chemnitz. "Sie haben von Engeln gesungen, und die Soprane waren wie die Engel." Auch Renate Pillep war begeistert. "Super", sagte sie kurz. "Wir sind jedes Jahr zum Konzert gekommen, aber in dieser Kirche und zu diesem Zweck - wunderbar. Das ist ein kultivierter Klangkörper." Ruth Winkler, die als Lehrerin den Chor gegründet hatte, war die Rührung anzusehen. "Ja, der Chor hat sich weiterentwickelt, seine Qualität ist klanglich und gestalterisch gewachsen." Seit 2. Juni 1999 ist der Traditionschor Chemnitzer Abiturienten als Verein eingetragen. Nächste Aufgabe, so Wolfgang Richter, das Jubiläumskonzert am 8. Juli 2000. Interessenten sind schon heute herzlich willkommen.
Johanna Hauswald (Freie Presse)
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| 1999: Weihnachtliches Benefizkonzert für die Jakobikirche Chemnitz (18.12.) - Vorbericht |
Mit dem Herzen dabei
Traditionschor Chemnitzer Abiturienten in Kirche
Am Weihnachtsmarkt vorbei gehen an diesem Abend viele junge Leute durch die Behelfspforte der Jakobikirche. Der Traditionschor Chemnitzer Abiturienten probt vor Ort wie es klingt, wenn er am 18. Dezember hier ein Benefizkonzert gibt für den Wiederaufbau des ältesten Gotteshauses der Stadt. Sein Motto: "Ein Kindlein ist uns heut gebor'n". "Für mich persönlich ist es etwas ganz Besonderes, in dieser Kirche zu singen, die immer noch von den Wunden des Zweiten Weltkriegs gezeichnet ist." Das sagt Yves Pillep, 26 Jahre alt, Student für Kunstgeschichte und Geschichte. Trotz Studiums hält er, wie viele andere auch, dem Chor die Treue. "Ich hätte am liebsten im Ruinenteil gesungen", fährt er fort. "Die Leute müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass hier etwas schlummert, was einfach wieder zum Leben erweckt werden muss."
"Ich finde die Idee großartig", sagt Peter Schuricht, Vorsitzender des Vereins. "Die Jakobikirche ist für Chemnitz im kleineren Maßstab so etwas wie die Frauenkirche für Dresden. Geld für den Wiederaufbau fehlt. Wie viele Chemnitzer wissen heute gar nicht mehr, wo die Jakobikirche zu finden ist." "Wir sind alle Chemnitzer", sagt Chorleiter Wolfgang Richter, "und wollen mithelfen, dass die Kirche wieder begehbar wird. Wir hoffen, daß wir mit unserem Konzert ein wenig dazu beitragen können." Im September 1998 hat er den Traditionschor übernommen, den Ruth Winkler am ehemaligen Gaußgymnasium gegründet hatte. Seit 2. Juni 1999 sei man eingetragener Verein, und am 18. Dezember bestreite man zum ersten Mal ein eigenes, großes Konzert, ohne den Schulchor. Annett Richtsteiger (33) ist 1983 aus Grüna an die EOS "Dr. Theodor Neubauer" gekommen. Chormitglied der ersten Stunde. Was sie hält? "Die Faszination des Singens in der Gemeinschaft", antwortet sie ohne zu überlegen. "Und zu Weihnachten in der Kirche zu singen - die Atmosphäre ist etwas Besonderes." Das Konzert am 18. Dezember in der Chemnitzer Jakobikirche beginnt 18 Uhr. Ins Programm aufgenommen hat Wolfgang Richter von der alten italienischen Weise "Alta trinita beata" über Marien- und Hirtenlieder und "Solitary Snowflake" bis zu schlichten Volksweisen für den Weihnachtsabend.
Johanna Hauswald (Freie Presse)
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