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Gedenkkonzert am 5. März 2010

Geschrieben am 08.03.2010 (Zuletzt geändert am 26.02.2013)

Am 5. März 2010 jährte sich die Bombardierung von Chemnitz im Zweiten Weltkrieg zum 65. Mal. In Gedenken daran fand in der St. Markuskirche ein Konzert statt, an dem auch der Kammerchor Chemnitz teilnahm. Es erklangen Werke von Johann Sebastian Bach, Rudolf Mauersberger und Arvo Pärt sowie die Uraufführung "Von der Heimsuchung, Schändung und Zerstörung einer beliebigen Stadt in einem beliebigen Krieg zu einer beliebigen Zeit" des Magdeburger Komponisten Jens Klimek.


Ulf Firke, Zwickauer Chorleiter und Vizepräsident des sächsischen Verbands Deutscher Schulmusiker, schrieb die folgende Rezension zum Konzert:

„Wie liegt die Stadt so wüst“ - bewegendes Gedenkkonzert zur Chemnitzer Bombennacht vor 65 Jahren
„Der Krieg kam an den Ort zurück, von dem er einst ausging“ – formulierte Pfarrer Tilo Jantz am Abend des 5. März 2010 zur Begrüßung in der evangelischen St.-Markus-Kirche auf dem Chemnitzer Sonnenberg. Am 05.03.1945 legte ein alliierter Bombenangriff das Chemnitzer Stadtzentrum in Schutt und Asche und forderte Tausende von Opfern. Zur Wiederkehr des Infernos werden jährlich an diesem Tag um 21 Uhr alle Chemnitzer Kirchenglocken geläutet.
Aus diesem Anlass hatten die Gemeinde St. Markus, der Chemnitzer Kammerchor und Kirchenmusiker der Region zu einer Gedenkstunde eingeladen, die den Gedanken an Schuld, Strafe und Versöhnung gleichermaßen beinhaltet. Unter den zahlreichen Gästen sah man Mitglieder der jüdischen Gemeinde neben prominenten Gästen aus Politik und Kultur.
Eröffnet wurde der Abend durch die von Rudolph Mauersberger komponierte Motette „Wie liegt die Stadt so wüst“. Dieses am Karsamstag 1945 unter dem Eindruck der Vernichtung Dresdens entstandene Chorwerk wurde dank der aufwühlenden Interpretation des Chemnitzer Kammerchores zum Ereignis: Wolfgang Richter führte die Stimmen vom lemurisch aus dem Nichts beginnenden Anfang bis zur exzessiv forcierten Frage „Warum?“. Der Chor verband dabei in einer atemberaubenden Spannungskurve stupendes Ausdrucksvermögen mit anrührender Homogenität.
Der Komponist Arvo Pärt (geb. 1935) gilt zu Recht als einer der bedeutendsten Vertreter moderner Kirchenmusik. Seine meditative, der Botschaft des Wortes verpflichtete Tonsprache geht zu Herzen – so auch der von den Männerstimmen des Chemnitzer Kammerchores mit großer Klangintensität vorgetragene Psalm 130, eine Reflexion über Vergehen und Erlösung, mit organisch eingefügten Effekten für Orgel und Schlagwerk. Hierbei wurde von der Empore musiziert, was einerseits die akustischen Möglichkeiten des Raumes bewusst ausnutzte, andererseits auch die Schwierigkeiten der Klangentfaltung im Kirchenschiff herausforderte.
Diese wurden wiederum gemeistert beim Ausklang des eindrucksvollen Abends. Die Uraufführung „Von der Heimsuchung, Schändung und Zerstörung einer beliebigen Stadt in einem beliebigen Krieg zu einer beliebigen Zeit“ für gemischten Chor, Mezzosopran- Solo, Orgel und Tam-Tam des jungen Magdeburger Komponisten Jens Klimek (geb. 1984) geriet den Künstlern zum Höhepunkt des Gedenkkonzerts: Das jüdische Gebet „Alon olam“ als Kulminationspunkt des Werkes überraschte und faszinierte mit suggestiven Ostinati und tonaler Auflösung als Ausdruck des Trostes angesichts von Krieg und Vernichtung. Die Solisten Cornelia Töpfer (Mezzosopran), Sebastian Schilling (Orgel) und Michael Rentzsch (Tam-Tam) verliehen der komplexen Klangflächentechnik der Ecksätze Prägnanz und Kontur. Pfarrer Jantz gab durch Lesungen aus Lukas 19, Jesaja 6,8 und Micha 4 dem Anliegen des gesamten Abends seine programmatische Richtung.
Das Publikum verharrte nach der verklungenen Uraufführung von Jens Klimeks Klangvision eine Minuten gänzlich ohne Beifall und schweigend – einmal mehr Ausdruck des Respekts vor dem Thema des Abends als auch als Dank an die Aufführenden.

Ulf Firke, Musiklehrer

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